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Auch die Cloud hat einen Meeresboden. Nach Angaben der Internationalen Fernmeldeunion ITU transportieren Untersee-Telekommunikationskabel 99 Prozent des internationalen Datenverkehrs. Sie durchqueren Ozeane, erreichen das Land an sorgfältig gewählten Küstenstandorten und werden bei Störungen von Spezialschiffen repariert.

Irgendwann endet die kommerzielle Nutzung eines Kabels. Vielleicht ist der Datenverkehr auf ein neueres System gewechselt. Vielleicht passen Strecke oder Kapazität nicht mehr zum Netz. Das Signal verstummt – das Kabel bleibt.

Was dann geschieht, regelt keine weltweit einheitliche Vorschrift. Ein stillgelegtes Kabel kann liegen bleiben, abschnittsweise geborgen, über längere Strecken zurückgeholt oder für einen anderen Zweck genutzt werden. Manchmal wird es erst zum Thema, wenn ein neues Vorhaben seine Trasse benötigt. Die geeignete Lösung hängt von Genehmigungen, Meeresboden, anderen Nutzungen, Kabelaufbau und den möglichen Eingriffen einer Bergung ab.

Was ist ein optisches Unterseekabel?

Ein optisches Unterseekabel ist ein Telekommunikationskabel, das Daten unter Wasser durch Glasfasern überträgt. Licht läuft durch diese Fasern; schützende Schichten sollen den Bedingungen auf dem Meeresboden standhalten. Gebräuchlich ist auch die Bezeichnung Untersee-Glasfaserkabel. Das International Cable Protection Committee erklärt Aufbau und Übertragung in seinem Leitfaden zu Untersee-Telekommunikationskabeln.

Die Glasfasern sind allerdings nur ein Teil dessen, was nach der Stilllegung zurückbleibt. Bei einer Bergung müssen auch die übrigen Materialien behandelt werden.

Infrastruktur und Material zugleich

Moderne Telekommunikationskabel unterscheiden sich je nach Tiefe und Standort. In der Tiefsee können sie vergleichsweise schlank sein. Küstennahe Abschnitte erhalten häufig eine Armierung gegen Anker, Fischerei und andere Gefahren. In einem Kabel können Glasfasern, leitfähige Metalle, schützende Kunststoffe und Stahlarmierungen zusammenkommen.

Diese Mischung kann eine Rückgewinnung attraktiv machen, vor allem bei Metallen. Sie verursacht aber auch Arbeit: Das Kabel muss geortet, angehoben, an Bord gehandhabt, angelandet, transportiert und in nutzbare Fraktionen getrennt werden.

Die Frage nach dem Materialwert lässt sich deshalb nicht von der Arbeit auf See trennen.

Warum ein Kabel liegen lassen?

Ein fachgerecht verlegtes Telekommunikationskabel bleibt im Allgemeinen an seinem Ort und gibt im Betrieb keine Emissionen an seine unmittelbare Umgebung ab. Die US-Behörde NOAA beschreibt die Umwelteffekte von Glasfaserkabeln insgesamt als eher gering. Größere Risiken entstehen vor allem während der Installation, etwa durch Grabenarbeiten, Schiffsbewegungen und Eingriffe in den Meeresboden.

Eine Bergung kann eine weitere Phase physischer Störung auslösen. In empfindlichen Lebensräumen oder bei eingegrabenen Kabeln kann der Schaden des Herausziehens größer sein als der Nutzen der Entfernung. Alte Kabel liegen zudem möglicherweise nahe an aktiver Infrastruktur. Das erschwert den Eingriff.

„Liegen lassen“ sollte deshalb nicht „vergessen“ heißen. Genaue Aufzeichnungen bleiben für Schifffahrt, Fischerei, künftige Bauvorhaben und Meeresraumplanung wichtig.

Warum ein Kabel bergen?

Ein stillgelegtes Kabel kann eine künftige Trasse blockieren, freiliegend ein Verhakungsrisiko schaffen oder wertvolle Materialien enthalten. Das International Cable Protection Committee veröffentlicht seit Langem Empfehlungen zu außer Betrieb genommenen Kabeln und zur Räumung von Trassen.

2025 verwies das ICPC auf eine wissenschaftlich begutachtete Untersuchung der Umweltaspekte von Kabelbergungen. Ihre Kernaussage war nicht, dass jedes Kabel entfernt werden sollte. Vielmehr kann eine verantwortungsvolle Bergung ökologisch verhältnismäßig sein, während weiterhin einheitlichere Beobachtung und Berichterstattung nötig sind.

Für Infrastruktur auf See ist das ein sinnvoller Grundsatz: Über den Eingriff sollten Belege entscheiden, keine pauschale Vorliebe für Entfernung oder Verbleib.

Wie eine Bergung abläuft

Ein Bergungsschiff benötigt zunächst verlässliche Trassendaten und einen Plan, der Wassertiefe, Eingrabung und benachbarte Anlagen berücksichtigt. Mit Spezialausrüstung kann ein Abschnitt geortet und an die Oberfläche gebracht werden. Die Arbeiten können stückweise erfolgen. Eine vollständige Bergung ist nicht überall möglich oder sinnvoll.

An Land wird aus dem Kabel eine Aufgabe für Demontage und Materialaufbereitung. Stahl, Kupfer und Kunststoffe nehmen unterschiedliche Wege. Ob eine Fraktion tatsächlich recycelt wird, hängt von Zustand, Trennbarkeit und Absatzmarkt ab – nicht allein davon, dass sie die Küste erreicht hat.

Das Netz ist global, die Entscheidung bleibt örtlich

Die Umweltauswirkungen hängen von Untergrund, Lebensraum, Verlegetechnik, Wassertiefe sowie Umfang und Dauer der Arbeiten ab. Der NOAA-Bericht über Kabel im Olympic Coast National Marine Sanctuary zeigt, warum Trassenplanung und Beobachtung nach der Installation wichtig sind. Auswirkungen und Erholung unterschieden sich je nach Bodenbeschaffenheit; Lebensräume mit körnigem Sediment erholten sich in den untersuchten Bereichen vergleichsweise schnell.

Das macht nicht jede Trasse unproblematisch. Es zeigt, warum pauschale Aussagen zu kurz greifen. Dieselbe Bergungsmethode kann auf beweglichem Sand, felsigem Untergrund und einem biologisch empfindlichen Meeresboden sehr unterschiedliche Folgen haben.

Eine Stilllegung ist keine rückwärts abgespielte Installation. Sie ist ein neues Vorhaben auf See – mit eigenem Zweck, eigenen Nachweisen und eigenen Zielkonflikten.

Das Nutzungsende rechtzeitig planen

Ein belastbarer Plan beginnt, bevor das Kabel verstummt. Er dokumentiert Materialien und Trassenzustand, klärt die fortbestehende Verantwortung, berücksichtigt andere Nutzungen des Meeresbodens und benennt Kriterien für eine teilweise oder vollständige Bergung. Ebenso muss feststehen, was aus dem geborgenen Material werden soll.

Mit dem Wachstum der Kabelnetze rücken solche Fragen ins Zentrum digitaler Infrastruktur. Der materielle Fußabdruck des Internets besteht nicht nur aus dem Stromverbrauch seiner Rechenzentren. Zu ihm gehören auch die langen technischen Bauwerke, die sie unter dem Meer verbinden.

Vom geborgenen Kabel zum nutzbaren Rohstoff

Die Lieferkette einer Bergung endet nicht am Schiff. Ocean Material arbeitet daran, die folgenden Schritte zu verbinden: Bergungs- und Verarbeitungspartner, Materialcharakterisierung, nachvollziehbare Herkunft und industrielle Anwendungen. Sein Programm für Materialien aus mariner Infrastruktur entwickelt Wege für Kunststoffe und andere Materialfraktionen aus ausgedienten Unterseekabeln.

Die praktische Aufgabe besteht darin, sonst getrennte Tätigkeiten aufeinander abzustimmen: Material anlanden, identifizieren und trennen, seine Eigenschaften bestimmen und eine Anwendung mit passenden Anforderungen finden. Bei Kunststoffen aus Kabeln gehören die Qualifizierung für konkrete Anwendungen und die Entwicklung kommerzieller Lieferwege weiterhin zu dieser Arbeit.

Offenlegung: Moana Earth wurde vom Team hinter Ocean Material gegründet. Das Beispiel beschreibt dessen Rolle beim Aufbau von Lieferketten. Es ist keine unabhängige Bewertung eines bestimmten Bergungsprojekts.


Quellen und weiterführende Informationen

  1. ITU, Strengthening the world’s digital backbone, 2025.
  2. International Cable Protection Committee, Submarine Cable Protection and the Environment, including the April 2026 issue on cable recovery.
  3. NOAA, Submarine Cables — Domestic Regulation and environmental impacts.
  4. NOAA Office of National Marine Sanctuaries, Submarine Cables in Olympic Coast National Marine Sanctuary.
  5. International Cable Protection Committee, About Submarine Telecommunications Cables, 2011, especially the cable construction and transmission explanations on pages 7 and 11.

Redaktioneller Hinweis: Telekommunikations- und Stromkabel unterscheiden sich in Aufbau und Betriebswirkungen. Dieser Artikel behandelt Telekommunikationskabel.